Heldart

 08/2012    marcus weber  

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Marcus Weber zeigt mit seinen Bildern bei heldart Konstruktionen scheinbar bekannter Alltagswelten. Sein dokumentarischer Realismus mit „Liebe zum Detail“ schafft akribisch eine Welt, die sich einer direkten Lesbarkeit entzieht. Eine gemalte “Kaisers” Tüte in einem Bild von Daniel Richter würde wahrscheinlich dessen Rahmen sprengen; bei Marcus Weber wird sie zum unverzichtbaren ‘pars pro toto’.

Diese Art von Realismussucht kennt man sonst eher von Comiczeichnern, Fotografen und Filmern. Das Urinal von Duchamp hat so gesehen einen ähnlichen Effekt. In seiner Gegenständlichkeit will es nichts anderes als nur diese selbst sein und ist doch Illusion. Das ‚Nur-So-Sein’ des Urinals hat bekanntlich genau das Gegenteil gebracht. Eine Riesenwelle an Imitation und Kontextualisierung überrollt bis heute die gesamte Kunstwelt. Weber malt genau an der Stelle, an der diese Welle losgetreten wird, präzise weiter hinein ins Bodenlose. Alles wird Kulisse, scheinbar organisiert wie ein sich immer wiederholendes Raster. Es ist dieser Moment, an dem die Bilder zu ihrer eigenen Metapher werden und aus der piefigen  Kiezidylle hinaus in die weite Welt führen. In dieser Welt portraitiert sich die Malerei als ‘reine’ Konstruktion ihrer selbst. Menschen erscheinen mit ihren Gesten und Kleidern vor ihrem jeweiligen Simulakrum nur noch wie belebte Piktogramme, die sich durch eine bunte und doch gleich wirkende Ornamentwelt bewegen. In dieser Auto-abstraktion wird das Unikat vermasst, die Narration darüber bekommt Löcher. Konsequenterweise malt Weber Alltagswelten um Löcher, die ,buchstäblich’ Ausblicke in den Kosmos erlauben.

Diese Löcher bzw .Universen könnten auch um die Alltagswelt gemalt sein. Wie herum auch immer; Marcus Webers Bilder wirken wie Fenster und gleichzeitig Layer auf einer Fläche. Die drei grossformatigen Bilder entziehen sich auf eine feinsinnige humorvolle Weise der von ihnen angestoßenen Betrachtungsweise: Sie befragen die Metapher und sich in ihrem ‘Selbst’. Der Betrachter wird wieder dorthin geführt, wo er begonnen hat – bei der Darstellung von Alltagswelten.

HORB-kopie-Kopie.jpg H.O.R.B 2007/12
F-Park-kopie-Kopie.jpg F-Park (Bunter Hund), 2012
held-cc.jpg marcus weber exhibition view 2 v
G-Park-gelber-Hund-klein.jpg G-Park (Gelber Hund), 2011