Heldart

04/2014  Heldart Saadane Afif     William Copley S.M.S., William Copley S.M.S.  

PDF #16

S.M.S. William Copley, S.M.S. William Copley
Im Jahr 2013 kauft Heldart die Shit Must Stop Edition. Es stellt sich bei einem zufälligen Gespräch mit dem Künstler Saadane Afif heraus, dass er die 1968 aufgelegte S.M.S. Edition des legendären Künstlers, Sammlers und Galeristen William Copley sehr gut kennt.
Der Marcel Duchamp Preisträger Afif ersteht ein weiteres vollständiges Exemplar. Heldart plant die Ausstellung von S.M.S. und lädt Afif ein, dazu künstlerisch Stellung zu nehmen. Afif’s Bedingung für eine Teilnahme:

Heldart soll aus den 72 in der S.M.S. Edition enthaltenen Arbeiten eine Auswahl treffen und somit selbst Stellung beziehen. Im Anschluss wird Afif auf die von Heldart getroffene Auswahl künstlerisch reagieren.
Entgegen seiner Überzeugung vom Kuratieren als einer akademischen Disziplin, die Museen und wissenschaftlichen Kunstkontexten vorbehalten sein sollte, entschließt sich Heldart der Aufforderung nachzukommen.

Das Resultat ist im Bikini Berlin, dem ehemaligen und zu einer Shopping Mall umgebauten Bikinihaus am Ku’damm, zu sehen. Saadane Afif’s Kommentar besteht in der Verdoppelung der Selektion von Heldart. Die Wahl des Ortes ist kein Zufall. Die in einer Shopping Mall ausgestellte Arbeit ist unverkäuflich; eine scheinbare Affirmation der Idee hinter der Shit Must Stop Edition von William Copley.
Diese bestand darin, das kommerzielle Diktat der Galerien und die politisch-institutionelle Arroganz der Museen auszuhebeln, indem Copley eine Edition mit den bedeutendsten Gegenwartskünstlern eigenständig produzierte und direkt an kunstinteressierte Abonnenten verschickte.
Ende der 60er Jahre begeisterte Copley berühmte Künstler wie Marcel Duchamp, Richard Artschwager, Roy Lichtenstein, Alain Jacquet u ndMan Ray für das interdisziplinäre Projekt, das in der Tradition des Fluxus auch Literaten und Komponisten wie John Cage integrierte.

Der Ort Bikini Berlin steht noch für eine weitere Besonderheit: Dem Bikini, Zweiteiler. Der ursprüngliche Name Bikinihaus bezog sich auf ein Luftgeschoss, das den Baukörper in zwei scheinbar unabhängige und nur mit freistehenden Säulen verbundene Baukörper teilte. Das Luft- bzw Leergeschoss wurde 1978 mit Glas geschlossen, um Platz für eine Kunsthalle zu schaffen. Die getrennten Baukörper wurden zum Einteiler, das Bikinihaus zu einer historisierten Erinnerung an die ehemals geteilte Einheit.
Die im Bikini Berlin ausgestellte Gemeinschaftsarbeit von Heldart und Saadane Afif schliesst eine andere Kluft, um sie noch weiter aufzureißen:
Die Illusion des Einswerdens von künstlerischer und kuratorischer Praxis.

 

S.M.S. (Shit Must Stop) ist eine Edition die 1968 von der von William N. Copley und dem Künstler Dmitri Petrov gegründeten Letter Edged in Black Press publiziert wurde. S.M.S. wurde in einer Auflage von ca. 2000 Kopien zu einem Abonnementpreis von $125 direkt verschickt und umging somit das übliche institutionelle System. 1968 erschienen alle 6 Ausgaben, die jeweils reproduzierte künstlerische Arbeiten, sogenannte Faksimiles, enthielten. Die beteiligten Künstler experimentierten oft mit neuen Medien und Materialien, Komponisten und Literaten ergänzten die Ausgaben mit Arbeiten auf Band oder Vinyl. S.M.S versammelte eine Anzahl der damals einflussreichsten Künstler wie John Cage, Marcel Duchamp, Richard Hamilton, Sol LeWitt, Roy Lichtenstein, Meret Oppenheim und Man Ray.

William N. Copley, 1919 in New York City geboren und 1996 in Key West, Florida verstorben, studierte an der Phillips Academy und an der Yale University. Nach einer kurzen Phase als Galerist, schlug Copley eine Karriere als Maler und Kunstsammler ein. Copley lebte von 1951-1963 in Paris, zog daraufhin wieder nach New York, wo er bis zu seinem Umzug 1992 nach Key West lebte. Copley stellte international aus und nahm unter anderem an der documenta 5 (1972) und der documenta 7 (1982) teil. Bereits 1953 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Noma Ratner die William and Noma Copley Foundation.

Heldart macht Ausstellungen.

Saâdane Afif, 1970 in Vendôme geboren, studierte am École des Beaux Arts in Bourges und Nantes. 2010 gewann er den Prix Marcel Duchamp, dem eine Ausstellung im Centre Georges Pompidou, Paris, folgte. Ausstellungen unter anderem: MMK Zollamt, Frankfurt am Main (2012), Palais de Tokyo, Paris (2005) und Museum Folkwang, Essen (2004); Teilnahme an der 5. Marrakech Biennale (2014) und an der documenta 12 (2007). Afif lebt und arbeitet in Berlin.

f.a.s., fine art service macht Rahmenbau und erarbeitet auch konzeptuelle Umsetzungen spezieller Anfragen

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